Versammlung des Großmagisteriums – 21. April 2026
Bei der Messe zur Eröffnung der Frühjahrssitzung des Großmagisteriums, der am 21. April dieses Jahres Kardinal Fernando Filoni vorstand, beteten die Teilnehmer insbesondere für die Seelenruhe des emeritierten Kanzlers des Ordens Ivan Rebernik, der wenige Tage zuvor verstorben war. Anschließend versammelten sie sich zu einem Tag des Austauschs am provisorischen Sitz des Großmagisteriums in der Via Belli in Rom und überbrachten Kardinal Pierbattista Pizzaballa durch den Großmeister ihre Glückwünsche zum Geburtstag.
Kardinal Filoni hob in seiner Einleitung die Großzügigkeit der Ritter und Damen angesichts der dramatischen Lage im Heiligen Land hervor, wo sich Hass und Gewalt entfesseln. In Bezug auf die abscheuliche Tat eines israelischen Soldaten, der eine Christus-Statue geschlagen hatte – ein Vorfall, über den am Vortag in den Medien ausführlich berichtet worden war – stellte er fest, dass weltweit ein Aufbruch der Gewissen stattfindet, der den allgemeinen Willen zum Ausdruck bringt, dem Krieg im Nahen Osten und den damit einhergehenden Missständen ein Ende zu setzen.
In seiner Ansprache begrüßte Generalgouverneur Botschafter Leonardo Visconti di Modrone die neuen Mitglieder des Großmagisteriums, Manuel Tavares de Almeida Filho als Vertreter Südamerikas und Anna Maria Munzi Iacoboni, ehemalige Statthalterin für Mittelitalien. Anschließend zeigte er sich erfreut über den Rekordanstieg der Spenden der Mitglieder des Ordens im Jahr 2025. Er kam auf die großen Ereignisse des Ordens zurück, insbesondere auf die Heiligsprechung des Ritters Bartolo Longo, einem Vorbild christlichen Lebens für alle, und kündigte gleichzeitig das nächste Treffen der europäischen Statthalter in Pompeji im Oktober 2026 an, das dort auf Einladung des Erzbischofs und Prälaten, Monsignore Tommaso Caputo stattfinden wird, Assessor des Ordens und Autor eines neuen Buches über den Gründer des Heiligtums.
Der Generalgouverneur zeigte sich erfreut über die Kontakte in Indien im Hinblick auf die Entfaltung des Ordens sowie in Afrika und verwies dabei auf die Kommunikationsbemühungen des Ordens in verschiedenen Sprachen über die Website des Großmagisteriums. Im Hinblick auf die humanitären Notlagen im Westjordanland und im Gazastreifen bekräftigte der Generalgouverneur die uneingeschränkte Unterstützung des Ordens für das Lateinische Patriarchat mit dem Ziel, die christliche Präsenz im Heiligen Land aufrechtzuerhalten. Des Weiteren informierte er die Mitglieder des Großmagisteriums über die aktuellen Entwicklungen des Ordens und sprach über die neue Stiftung (eine Einrichtung des Dritten Sektors), die es ermöglichen wird, die Aktivitäten des Palazzo della Rovere, dem Sitz des Ordens zu unterstützen, insbesondere dessen Museum, das derzeit eingerichtet wird.
Im Lauf der Sitzung wandte sich der Patriarch von Jerusalem per Videokonferenz an das Großmagisterium und schilderte die Schwierigkeiten, mit denen die Einwohner zu kämpfen haben. „Das Land der Verheißung ist zum Land der Versprechen geworden“, sagte er und brachte damit die vor Ort herrschende Stimmung zum Ausdruck, die von der Hoffnung auf … bessere Zeiten geprägt ist. Er beschrieb das Westjordanland als einen regelrechten „Wilden Westen“ und prangerte die Gewalt der Siedler sowie die mafiösen Machenschaften der Verwaltung in bestimmten arabischen Städten Israels an, wie etwa in Nazareth, wo die Polizei an die Stelle des Bürgermeisters treten musste. Der Patriarch wies auf die jüngsten Entscheidungen der israelischen Behörden hin, die die Gleichwertigkeit von Hochschulabschlüssen, die in Palästina und sogar an der Universität Bethlehem erworben wurden, nicht mehr anerkennen, was beispielsweise dazu führen wird, dass in Palästina ausgebildete Lehrkräfte nicht in Jerusalem arbeiten können. Zudem müssen die Schulen in Jerusalem das „Bagrut“ (das israelische Abitur) einführen und das „Tawjihi“ (das palästinensische Abitur) aufgeben. Die Entscheidung sieht vor, dass Schulen, die das „Bagrut“ nicht einführen, keine öffentlichen Mittel mehr erhalten. Es ist offensichtlich, dass der Staat Israel durch immer strengere Einschränkungen, wie jene, die die Karwoche geprägt haben, seinen Willen bekundet, die gesamte Heilige Stadt zu besitzen. Darüber hinaus wies der Patriarch auf die zunehmenden Probleme in den Familien hin, die mit der Arbeitslosigkeit der Männer zusammenhängen. Unter Bezugnahme auf seinen in Vorbereitung befindlichen Hirtenbrief, der den Auftrag der Mutterkirche von Jerusalem mitten im Konflikt einordnen soll, dankte er dem Orden herzlich für seine geistliche und finanzielle Unterstützung und äußerte die Hoffnung, bei der nächsten Sitzung des Großmagisteriums im kommenden Herbst persönlich anwesend sein zu können.
Sami El-Yousef, Verwaltungsdirektor des Patriarchats, fuhr fort und ging auf die jüngsten historischen Ereignisse ein, die das Heilige Land geschwächt haben: die Pandemie, der Krieg in Gaza und die beiden Kriege mit dem Iran. Im Laufe seines langen und ausführlichen Vortrags wies er darauf hin, wie gravierend die medizinischen Probleme sind, da viele Menschen keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben, insbesondere in Gaza, wo Medikamente nach wie vor nicht ins Land gelangen können… Eine gute Nachricht ist hingegen die zeitnah geplante Wiedereröffnung einer katholischen Schule in Gaza. Er verurteilte den Bau neuer Siedlungen im Westjordanland, der den Palästinensern ihr Land raubt und Verzweiflung in der Bevölkerung hervorruft, die der ständigen Gewalt fanatischer Siedler ausgesetzt ist, die die Dörfer angreifen. Ein Apartheid-System wird aufgebaut und die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) wird nach und nach ihrer Rolle beraubt.
Der Tourismus ist zum Erliegen gekommen und es finden keine Pilgerreisen mehr statt, was die wirtschaftliche Lage der Palästinenser unerträglich macht, betonte Sami El-Yousef. In diesem Zusammenhang setzt das Lateinische Patriarchat seine Arbeit beharrlich fort und bemüht sich um die Schaffung von Arbeitsplätzen, beispielsweise im Bauwesen, in Zusammenarbeit mit den Pfarreien im Westjordanland und der Universität Bethlehem (AFAQ-Programm), sowie um die Verteilung von Lebensmittelgutscheinen in Gaza dank der außerordentlichen humanitären Hilfe des Ordens. Im Hinblick auf das tägliche Leben der Kirche dankte der Verwaltungsdirektor den Rittern und Damen für alle finanzierten Projekte, insbesondere für die Renovierung der katholischen Schulen (12 in Palästina, 25 in Jordanien und 6 in Israel mit insgesamt 19.000 Schülern) sowie für die pastorale Ausbildung der Laien, die zunehmend dazu aufgerufen sind, an der Evangelisierung der Jugend mitzuwirken.
Im anschließenden Gespräch zitierte Kardinal Filoni die Worte Christi: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde“ (Lk 12,32) und wies darauf hin, dass es für die Kirche notwendig ist, inmitten der kulturellen und religiösen Vielfalt, die den Nahen Osten prägt, im Sinne des von Papst Franziskus unterzeichneten Dokuments von Abu Dhabi Zeugnis für die Geschwisterlichkeit zu geben.
Am Nachmittag legte Schatzmeister Saverio Petrillo der Versammlung den Jahresabschluss für das Jahr 2025 vor: fast 27 Millionen Euro Einnahmen (unter Berücksichtigung der Vermögensverwaltung), mit fast 6,4 Millionen Euro mehr an Spenden als im Vorjahr seitens der Statthaltereien, motiviert durch die historische Notwendigkeit, die Christen im Heiligen Land zu unterstützen, die mit dem Krieg und der Kolonisierung ihres Landes konfrontiert sind. Von den jährlichen Gesamteinnahmen in Höhe von fast 27 Millionen Euro gingen mehr als 3,6 Millionen im Rahmen der nordamerikanischen Kampagne zugunsten der Schulen des Patriarchats ein.
Der Vorsitzende der Heilig-Land-Kommission, Bart McGetrick kam auf den virtuellen Besuch vom vergangenen März zurück, als die iranischen Vergeltungsschläge auf die israelischamerikanischen Angriffe auch Tel Aviv und teilweise Jerusalem erreichten. Er lobte die mutige Arbeit „unter dem Radar“ des Patriarchats und stellte gemeinsam mit den Mitgliedern der Kommission eine zunehmende Aggressivität seitens der Siedler, enorme Kommunikationsschwierigkeiten (1000 Kontrollpunkte im Westjordanland) und einen besorgniserregenden Anstieg der Arbeitslosigkeit (70%) fest, insbesondere unter den Christen, die von Pilgerreisen leben. In diesem Zusammenhang war die Mission des Ordens vermutlich noch nie so wichtig, um die Hoffnung am Leben zu erhalten, insbesondere durch die Förderung der Schaffung von Arbeitsplätzen an der Seite der Ortskirche und durch die Unterstützung der Erziehung zum Frieden.
Nach internen „Off-the-Record“-Gesprächen, die auf die wertvollen Beiträge der Generalvize- Gouverneure(1) und des Kanzlers zur weltweiten Entwicklung des Ordens folgten, endete die Sitzung mit einem Gebet zu Unserer Lieben Frau von Palästina für die Anliegen all unserer Brüder und Schwestern im Heiligen Land.
François Vayne
(April 2026)
(1) In einem kommenden Artikel wird ein umfassender Überblick über ihre bedeutenden Beiträge gegeben.


