Predigt des Großmeisters in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern
Liebe Ritter und Damen,
Hier, in dieser prächtigen Basilika, die der Erinnerung an den Apostel Paulus gewidmet ist, beginnt unsere Wallfahrt, die dank Ihrer Anwesenheit, die Sie aus den Statthaltereien und Magistraldelegationen der ganzen Welt gekommen sind, Ausdruck der Katholizität, der Universalität ist. Dieser Anlass – das Jubiläum – ist ein Geschenk der Kirche an alle, die daran teilnehmen. Es schöpft die geistlichen Güter des Jubiläumsjahres aus dem kostbaren Schatz der Verdienste Christi, die sein Leiden, sein Tod und seine Auferstehung sind. Behalten wir dies während unserer gesamten Wallfahrt im Auge.
Ich möchte hinzufügen, dass ich mich sehr über Ihre großzügige, so eindrückliche Anwesenheit freue, die nicht nur ihr Feingefühl für die geistlichen Gaben zum Ausdruck bringt, die uns die Kirche geschenkt hat, sondern auch Ihre begeisterte Verbundenheit mit unserem Orden vom Heiligen Grab zu Jerusalem und seinen Zielen. Vielen Dank für dieses großartige Zeugnis.
Ich möchte nun einige Worte über das Wort Gottes sagen, mit dem wir unser Jubiläum hier beginnen. Ein Wort, das nur vom Apostel Paulus stammen konnte. Aber welches? Die zahlreichen Briefe, die er verfasst hat, zeugen von seinem unermesslichen Evangelisierungswerk, durch das er Christus bei den Völkern im Mittelmeerraum bekannt gemacht hat. Nachdem er die „Mutterkirche“ in Jerusalem verlassen hatte, setzte er alles daran, dass Gottes Gnade die Heiden erreicht. Er wusste genau, was dies bedeutete, nachdem ihm der auferstandene Herr auf dem Weg nach Damaskus erschienen war, als er noch eine tiefe Abneigung den Christen gegenüber hegte und sie verfolgte. Der Herr hatte ihn eingeholt und ihn aus Gnade vom Verfolger zum Apostel der Heiden gemacht.
In der Lesung, die wir gehört haben (vgl. Apg 22,3-16), berichtet Paulus von seiner Begegnung mit Jesus, die sein Leben radikal verändert hat. Er hat sie nie vergessen – im Gegenteil, er wusste, dass sie vielen Männern und Frauen in ihrem Unglauben oder ihrer Schwäche helfen würde. Es ist ein Zeugnis, das uns zwingt, über unser eigenes Leben nachzudenken: Wo hat der Herr uns herausgeholt; wie öffnet Er uns weiterhin die Augen und lädt uns ein, uns zu Ihm zu bekehren; wo ermahnt Er uns, uns nicht von den unzähligen Versuchungen des Lebens täuschen zu lassen.
Ein Ritter und eine Dame sollten zwei Dinge niemals vergessen, die dem Apostel Paulus am Herzen lagen und daher auch für uns wichtig sind:
1) Wer wir waren und wo der Herr uns herausgeholt hat, als Er uns aufgenommen und unserem Leben einen Sinn gegeben hat.
2) Welchen Auftrag Er uns anvertraut hat.
Für Paulus bestand dieser darin, Zeuge Jesu zu sein und sein Evangelium allen Völkern zu verkünden. Für uns besteht er darin, uns unseren Auftrag für das Heilige Land, das Land des Herrn zu Herzen zu nehmen: sein Volk, den Frieden, das Mitgefühl und die Vergebung, ohne dabei die Aufmerksamkeit für unsere Ortskirchen zu vergessen, die darauf genauso stark angewiesen sind, wie ich es in dem Buch über die Spiritualität geschrieben habe und in meinen Predigten bei den Investituren immer wieder sage.
Aber war all das nicht genau dasselbe, was Paulus seine Christen in Mazedonien, Korinth, Galatien und Antiochia lehrte, als er sie zur Großzügigkeit ermahnte, also dazu, der „Heiligen“ in Jerusalem als Zeichen großer Solidarität zu gedenken?
Hier, vor dem Grab des Apostels Paulus möchten wir heute unser Engagement erneuern, wie er es uns gelehrt hat: Eine Lehre, die uns davon überzeugt, dass unsere Zugehörigkeit zum Orden einen spirituellen Wert hat und dass Nächstenliebe einen sehr hohen Stellenwert einnimmt. Diese Sichtweise sollte niemals verschwinden, denn sie wurzelt im Glauben an den gestorbenen und auferstandenen Christus und nicht in der Eitelkeit des sozialen Status.
Ich möchte diese kurzen Betrachtungen mit dem Akt der Erneuerung unseres Glaubens und seines Zeugnisses abschließen, indem wir Apostel des Glaubens werden, wie uns das heutige Evangelium in Erinnerung ruft: „Geht hinaus […] verkündet […] gebt Zeugnis“ (Mk 16, 14-18).
Der Herr lädt uns ein, und unser Orden nimmt die Einladung des Auferstandenen an. Zu diesem Auftrag Jesu beizutragen, ist die größte Ehre, die der Herr uns gewährt, und mit ihr schenkt er uns die Freude, daran teilzuhaben
Möge dieses Jubiläum für uns alle eine wunderbare Gelegenheit sein, unser Bekenntnis zu Christus, zu seiner Kirche und zu unserem Orden zu erneuern. Amen.


